Durchdacht und nachhaltig

Die Architektur der Genter Beleuchtung 

Der Lichtplan von Gent ist mehr als nur ein auf die St.-Bavo-Kathedrale gerichteter Scheinwerfer. Dahinter steckt ein ganzer Plan, der auch den Verbrauch und die Wirkungen berücksichtigt. Denn alles, was gesehen werden soll, muss geschickt beleuchtet werden.  

Gent hat das Rad nicht neu erfunden. Lyon kam Gent zuvor. Diese Stadt war schon vor 1999 wunderschön beleuchtet: stimmungsvoll, aber auf eine sehr ausgeklügelte Weise. Das hatte unsere Stadt auch verdient. So entwarf derselbe „Lichtarchitekt“, der Lyon zu einer wunderbaren Lichterstadt machte, auch für Gent einen umfassenden Lichtplan. Gemeinsam mit einem flämischen Ingenieurbüro nahm sein Plan Gestalt an. Die Vision von damals ist immer noch aktuell. Aber natürlich passen wir die Lichtpunkte immer wieder an, außerdem arbeiten wir inzwischen mit neuer und energieeffizienter LED-Technik.  

Der erste Lichtplan erblickte 1999 das Licht der Welt. Er fokussierte sich nicht nur auf öffentliche Gebäude, sondern auch auf die gesamte Stadtlandschaft – darunter die bereits mehrfach preisgekrönte Graslei und Korenlei – sowie auf private und denkmalgeschützte Gebäude, wie Museen, Schulen und natürlich Denkmäler. Aber auch Geschäftshäuser in einer Einkaufsstraße oder Regierungsgebäude wie der Alte Justizpalast wurden mit einbezogen. Da diese Gebäude nicht alle der Stadt gehören, bedarf es intensiver Abstimmung. Ein Auftrag für meinen Kollegen, den Berater für Stadtbeleuchtung.  

Beleuchtete De Krook mit der St.-Bavo-Kathedrale im Hintergrund

Licht jenseits des Genter Kuip

So schön stimmungsvolle Beleuchtung auch ist, im Dunkeln braucht es natürlich auch funktionales Licht. Der Lichtplan berücksichtigt auch dieses Licht, sowohl für das Stadtzentrum als auch für die Vororte und Außenbezirke. Der Lichtplan ist seit 2007 für das gesamte Stadtzentrum in Kraft und wurde 2011 um einen Plan für den North Sea Port Gent und die Kanalzone ergänzt.  

Es lohnt sich auf jeden Fall, sich aufs Fahrrad zu schwingen und auch die beleuchteten Punkte außerhalb des historischen Zentrums zu erkunden. So wurden beispielsweise die Ortskerne von Drongen und Oostakker gerade erneuert – einschließlich stimmungsvoller Akzente am zentralen Abteigebäude (in Drongen) und an der Kirche (in Oostakker). Auch die Kirchen in Afsnee, Mariakerke und Ledeberg werden nun stimmungsvoll beleuchtet.  

„Mit dem Lichtplan würdigen wir auch die industrielle und architektonische Vergangenheit Gents.“
Lieve Staes
Beleuchtete St.-Anna-Kirche

Glücklicherweise besteht die Geschichte Gents aus mehr als nur Kirchen und Abteien. Mit dem Lichtplan würdigen wir auch immer mehr Denkmäler aus der industriellen und architektonischen Vergangenheit der Stadt. Sehen Sie sich nur die Gasbehälter auf dem Tondelier-Gelände und den majestätischen grünen ST1-Kran im Houtdok an. Aber auch moderne Gebäude lassen wir nicht im Dunkeln: Die Beleuchtung der Bibliothek De Krook zum Beispiel ist absolut atemberaubend. Lassen Sie sich vom Licht den Weg weisen und entdecken Sie auch diese versteckten Juwelen von Gent.  

Beleuchteter ST1-Kran am Houtdok

Intelligente Beleuchtung, minimale Auswirkungen

Beleuchtung ist ja schön, aber verbraucht sie nicht eine Menge Energie? Und führt das nicht zu „Lichtverschmutzung“? Auch diese Punkte haben wir in den Lichtplan aufgenommen.  

Nachhaltigkeit und sparsamer Lichtverbrauch sind die Eckpfeiler des Lichtplans. So lassen wir auch die Dunkelheit bewusst zu. Wir nutzen ein geschicktes Zusammenspiel von Projektoren, um Gebäude und Details hervorzuheben. Mit den neuesten Technologien konnten wir den Verbrauch senken. Natürlich entscheiden wir uns ganz bewusst für LED-Lampen, die viel weniger verbrauchen und länger halten. Wir haben alle herkömmlichen Quecksilberdampflampen ersetzt und die durchschnittliche Leistung reduziert. Außerdem ersetzen wir systematisch die alte Denkmalbeleuchtung durch LED-Lampen mit der gleichen warmweißen Lichtfarbe von 3000 K.  

Beleuchtung am Alten Fischmarkt

Auch eine mögliche Lichtverschmutzung wird berücksichtigt.  In den Parks wird nur eine minimale Beleuchtung eingesetzt, um Fauna und Flora nicht zu stören. Und wir beleuchten nur dort, wo es nötig ist. So wird die Umgebungs- und Denkmalbeleuchtung um Punkt 12 Uhr (Mitternacht) ausgeschaltet und auf eine funktionale Straßenbeleuchtung umgestellt. Versuchen Sie auf jeden Fall, diesen Moment live mitzuerleben, es ist ein magischer Moment – vor allem jetzt, da nun auch die drei Türme von Gent nach Mitternacht nicht mehr beleuchtet werden. 

Neue Lichtpunkte werden systematisch in den Beleuchtungsplan aufgenommen. Sie möchten sie alle entdecken?

Lie­ve Staes

Lieve Staes ist für die Kommunikation komplexer räumlicher Projekte im Projektbüro Raum der Stadt Gent zuständig. Ihre Lieblingsthemen sind der Lichtplan und Wasser. Beruflich teilt sie all ihr Wissen unter anderem über die Website und auf Stadtrundgängen. Aber auch in ihrer Freizeit kann sie es nicht lassen, Familie und Freunde in der Abenddämmerung durch das märchenhafte Gent zu leiten.