Design Museum Gent
Gutes Design ist zeitlos. Gent verdankt einen Großteil seines Reichtums seiner (Textil-)Geschichte, so auch das Design Museum Gent. Eine ganze Reihe flämischer Designtalente hat Gent zur Designhauptstadt Belgiens gemacht. Design ist im größten Designmuseum des Landes deutlich präsent, aber die Liebe zu gutem Design ist in der Stadt auch auf subtilere Weise spürbar. Kreative Talente aus den Designstudiengängen in Gent bleiben gerne hier, und davon profitiert die Designwelt.
Auch wenn es manchmal noch so perfekt aussieht, ist Design eigentlich nie „fertig“. Genau wie eine Stadt, eine Idee oder die Welt kann man alles, was jemals entworfen oder erdacht wurde, auch wieder neu gestalten. Alles geht anders – und besser. Das geschieht nicht von selbst. Man muss Grenzen verschieben, Dinge hinterfragen und Mut haben. Eine gesunde Portion Neugier und Rebellion an den Tag legen.
Typisch für Gent? Ja natürlich, und auch das Design Museum Gent fordert Sie auf, diese kritische Brille aufzusetzen. Wie wohnen wir? Wie leben wir zusammen? Muss das so sein, oder geht es auch anders? Ja, so ein Van Severen ist ästhetisch ansprechend, aber welche Rolle spielt ein solches Stück im Gesamtkontext? Blicken Sie zurück und nach vorne, aber vergessen Sie dabei vor allem nicht, zu experimentieren. Gerade in diesem Ausprobieren, Erforschen und Hinterfragen liegt oft die Antwort auf aktuelle Probleme. Das Design von heute ist nicht das gleiche wie vor hundert Jahren; genauso wenig wie die Stadt von heute. Und auch wenn Veränderungen schwierig sind – niemand verlässt gerne sein vertrautes, bequemes Sofa –, sind sie doch notwendig. Wie wir die Welt um uns herum gestalten, bestimmt, wie wir sie erleben. Das ist die Kraft von Design.
Haben Sie kurz Zeit? Die Kollektion des Design Museums ist, gelinde gesagt, beeindruckend. Über 450 Objekte und Archivzeichnungen aus der Zeit von 1300 bis heute sind dauerhaft ausgestellt. Aber wie es bei gutem Design so ist: Es gibt noch mehr. Die gesamte Kollektion des Museums umfasst 24 000 Exponate – mehr als 700 Jahre Designgeschichte, die darauf warten, (wieder)entdeckt zu werden.
Das Museum entstand 1903 als Bildungsprojekt: Wohlhabende Einwohner von Gent zeigten im Jahr 1903 den Produzenten und Designern gezeichnete oder echte Möbelmodelle, um deren Wissen und Fertigkeiten zu verbessern. Die Sammlung von Skizzen und Modellen wuchs zu einer Sammlung heran, die den Kanon des belgischen Designs in einem internationalen Kontext widerspiegelt. Der Fokus liegt nach wie vor auf dem Wohnen – näher am Leben geht es nicht.
Anhand historischer und zeitgenössischer, lokaler und internationaler Werke versucht das Design Museum Gent, die Frage zu beantworten: „Wie kann eine Designkollektion, die so weit in die Vergangenheit zurückreicht, auch heute noch inspirieren?“ Techniken, Materialien und Konzepte aus der Vergangenheit sind nach wie vor eine Quelle der Inspiration sowohl für Designer als auch für Nutzer, doch betrachten wir die Dinge mittlerweile auch mit anderen Augen. Was einst als die Lösung galt, sorgt heute vielleicht für Stirnrunzeln. Die Themen Kopie, Komfort, Migration, Einknicken und Verbindungen führen Sie durch die Kollektion und laden dazu ein, gemeinsam nach einer Antwort auf diese Frage zu suchen.
Was macht Design mit uns? Was bedeutet das für die Zukunft? Entwürfe von – auch wenig beachteten, oft weiblichen – Designern wie Mabel Elwes, Yvette Lauwaert, Yvonne Serruys, Elza Van Huffel-Gallet und Eva Zeisel bieten eine mögliche Antwort. Neben Klassikern von internationalen und lokalen Designgrößen wie Alvar Aalto, Charles & Ray Eames, Paul Hankar, Joseph Hoffmann, Victor Horta, Arne Jacobsen, Alessandro Mendini, Gaetana Pesce, Gustave Serruier-Bovy, Bořek Šípek, Ettore Sottsass, Henry van de Velde, Tapio Wirkkala, Philippe Wolffers, Pieter De Bruyne, Axel Enthoven, Huib Hoste, David Huycke, Thomas Lommée, Pieter Stockmans, Albert Van huffel und Maarten Van Severen.
Topdesign verpackt man nicht in eine hässliche Schachtel. Das Gebäude des Design Museum Gent ist selbst ein Musterbeispiel für intelligentes und nachhaltiges Design. Es wurde kürzlich vollständig renoviert: Die Teile aus dem 18. und 20. Jahrhundert wurden durch einen neuen Verbindungsflügel ergänzt.
Design steckt in jedem Winkel des neuen Museums. Dazu gehören beispielsweise der beeindruckende Empfangstresen, die Akustikvorhänge und ein Pocket Garden. Und bewundern Sie beim Eintreten das beeindruckende, im 3D-Druckverfahren hergestellte Eingangstor von Studio Unfold.
Wer heute entwirft, denkt vor allem an morgen; bei Gebäuden ist das nicht anders. Das Design Museum Gent entwickelte daher seinen eigenen kreislauffähigen Fassadenstein: den Gentse Waste Brick. Dieser wird zu 100 % in Gent hergestellt und besteht zu 63 % aus gepressten Abfallströmen aus Gent. Wir ersparen Ihnen das Zählen: In der Fassade befinden sich 80 000 dieser Ziegel.
Der neue Flügel ist ein architektonisches Meisterwerk. Früher bestand das Design Museum Gent aus drei voneinander getrennten Teilen. Der neue Flügel verbindet; er ist das Bindeglied, das das Museum zusammenhält. Und das macht er gut: Er wurde zu einem großzügigen „Stadtzimmer“, einem Third Place, der für jedermann kostenlos zugänglich ist. Ein Ort, den man für zufällige Begegnungen, einen Workshop, Veranstaltungen oder einen Moment der Ruhe mitten in der Stadt besucht, umgeben von der Schönheit guten Designs.
Ja, in diesen Räumen werden Ausstellungen gezeigt, aber Sie können sich hier auch selbst mit Design beschäftigen, darüber diskutieren, nachdenken, träumen oder es einfach nur genießen. Sie dürfen jedoch nicht gehen, ohne zuvor in die vierte Etage hinaufzusteigen. Dort erwartet Sie der Blick auf die Grafenburg, die Gras- und Korenlei sowie die Türme des Rabot.
Jeder Designer wird das bestätigen: Entwerfen ist wie Spielen für Erwachsene. Die Welt mit den Augen eines Kindes betrachten und nicht aufhören, zu staunen. Aus diesem Grund sind Kinder die VIPs des Designmuseums: Es gibt einen umfangreichen Familienrundgang mit Mitmachstationen – die perfekte Gelegenheit, der Kreativität freien Lauf zu lassen. Ein solcher Besuch im Design Museum Gent könnte durchaus die Geburtsstunde des nächsten belgischen Designtalents bedeuten.
Lieber keine Warteschlangen an der Kasse? Reservieren Sie dann Ihre Tickets im Voraus und genießen Sie Ihren Besuch!
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