Mit ‚EXIT‘ findet die erste Werkschau von Kris Martin (°1972, Kortrijk, Belgien) in Belgien statt. Breite Bekanntheit erlangte der Künstler hier durch seine Skulptur ‚Altar‘ auf dem Strand von Ostende. Nachdem seine Arbeiten seit 20 Jahren weltweit zu sehen waren, kann nun endlich auch das belgische Publikum sein beeindruckendes Werk umfassender kennenlernen. Kris Martin macht aus Objekten Skulpturen, die Fragen zu Begriffen wie Vergänglichkeit, Identität und Tod aufwerfen. Diese Themen prägen bereits seit Jahrhunderten die Geschichte der Kunst. So ziehen sich durch die Arbeiten Martins auch Bezüge auf Kunstgeschichte, Literatur und Mythen. Zudem spielt er mit Mechanismen wie Wiedererkennen und Verfremdung, um unsere Aufmerksamkeit auf zentrale Fragen zu lenken. Auf diese Weise schafft er Raum für Reflexion, Ablehnung oder Poesie.

Subtiler Dialog mit dem Werk Jan Van Eyck

In der Ausstellung ‚EXIT‘ ist ein subtiler Dialog mit dem Werk Jan Van Eycks zu beobachten. Sie ist nicht umsonst der Beitrag des S.M.A.K zu ‚OMG! Van Eyck was here‘. Kris Martin ist ein Bewunderer des Werks der Gebrüder Van Eyck und hat mit ihnen eine Vorliebe für eine reiche Symbolik gemeinsam. In ‚Eve and Adam‘ (2017) eröffnet er uns einen anderen Blick auf zwei Figuren aus der ‚Anbetung des Lamm Gottes‘ (1432) von Hubert und Jan Van Eyck. Martin zeigt nur die Gesichter von Adam und Eva, die in seiner Version nicht einander und dem Lamm zugewandt sind, sondern in entgegengesetzte Richtungen schauen. Dieser Ausschnitt, der ohne jeden weiteren Kontext präsentiert wird, zeigt uns ein universelles und zeitloses Bild von Mann und Frau.

Das Werk „Altar“ von Kris Martin am Portal der St. Bavo-Kathedrale

Inzwischen befindet sich das „Lamm Gottes“ wieder in der St. Bavo-Kathedrale, wo auch die Arbeiten von drei zeitgenössischen Künstlern (Kris Martin, Lies Caeyers und Sophie Kuijken) gezeigt werden, die sich von Form, Technik und Inhalt des „Lammes Gottes“ inspirieren ließen. Das Werk „Altar“ (2014) von Kris Martin wurde draußen am Portal der St. Bavo-Kathedrale aufgestellt. ‚Altar‘ (2014) ist eine aus Stahl gefertigte Replik des aus dem 15. Jahrhundert stammenden Werks der Gebrüder Van Eyck. Kris Martin hat nur den Rahmen reproduziert und auf die Paneele verzichtet. Anstatt uns eine üppige Szenerie vorzusetzen, lädt uns der Künstler ein, durch eine offene Struktur die uns umgebende Welt zu betrachten. So stellt er einen direkten Bezug zur Absicht der Gebrüder Van Eyck her. Sie schufen die ‚Anbetung des Lamm Gottes‘ nämlich als Ausdruck einer damals neuen künstlerischen Sichtweise, in der die Idealisierung der mittelalterlichen Tradition einer detailgetreuen Beobachtung der Natur und des Menschen Platz machte. Genau wie das Original ist der ‚Altar‘ von Kris Martin für den öffentlichen Raum bestimmt. Er schuf das Kunstwerk für die letzte Ausstellung von Jan Hoet ‚Das Meer – Salut d‘honneur Jan Hoet‘ in Ostende. Neben der Skulptur, die ihren ständigen Platz am Strand hat, gibt es fünf weitere Ausführungen dieses Kunstwerks, die bereits in New York, London, Miami, Düsseldorf, Rom und Bremen zu sehen waren. 2020 wird ‚Altar‘ gleichzeitig mit der Einzelausstellung von Kris Martin im S.M.A.K im Zentrum von Gent zu sehen sein.

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