Obwohl dieser Friedhof weniger bekannt ist als Campo Santo, ist der westliche Friedhof der größte in der Stadt Gent. Nicht weniger als 30.000 Seelen ruhen unter seinen 23 Hektar. Sie finden diese grüne Oase von Ruhe nördlich des historischen Stadtzentrums, in der Nähe von den Vierteln „Rabot“ und „Brugse Poort“.

Unbekannt, ungeliebt

Der auf einem 19 Meter hohen Hügel gelegene Campo Santo ist natürlich der berühmteste Friedhof von Gent. Man scheint manchmal zu vergessen, dass der westliche Friedhof um ein Vielfaches größer ist und auch einigen klangvollen Namen eine letzte Ruhestätte gibt. Man denke an Cyriel Buysse, den flämischen Schriftsteller u.a. von „Het gezin van Pamel“ und Virginie Loveling, eine Dichterin, deren Name im Regierungsgebäude neben dem St.-Peter-Bahnhof weiterlebt. Auf dem westliche Friedhof befindet sich auch ein Soldatenfriedhof, auf dem etwa 200 flämische und 195 britische Soldaten ruhen, allesamt Opfer des Ersten Weltkriegs.

Über Religionen kann man nicht streiten

Der damalige Bürgermeister von Gent, Charles de Kerckhove de Denterghem, entwarf 1862 den Plan, diesen Friedhof nicht länger ausschließlich für Christen zu reservieren. Von nun an waren auch Juden und Protestanten willkommen, nachdem sie ihr Leben ausgehaucht hatten. Da die Diözese diese Entscheidung heftig kritisierte, erhielt der westliche Friedhof dann seinen Spitznamen „Geuzenkerkhof“. „Geus“ ist eine ausgeartete Form des ursprünglich französischen Wortes „gueux“, das Bettler bedeutet. Dieses Wort hatte seinen Ursprung im Achtzigjährigen Krieg, als es als Schimpfwort für Protestanten und in der Folge für alles, was nicht katholisch war, verwendet wurde.

Ganz zen

Mehr als die Hälfte dieser 23 Hektar Land ist grün, was es ideal für einen langen Spaziergang macht. Der westliche Friedhof wurde im englischen Landschaftsstil angelegt. Mit anderen Worten, eine Allee mit Buchen auf beiden Seiten führt zu dem imposanten Eingangstor. Durch die Rasenflächen schlängeln sich Fußpfade, auf denen die britische Bourgeoisie gerne flanierte. Die Stadt Gent bietet drei Wanderrouten (nur auf Niederländisch) durch diesen Park an, die sich jeweils an ein anderes Zielpublikum richten.